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Salve regina misericordiae

Antiphon.
Die Gottesmutter als Fürsprecherin.
Es handelt sich um die vermutlich älteste (Heinz, S. 126) oder zweitälteste (Micus, S. 218) der marianischen Schlussantiphonen. Die drei anderen sind: 'Alma redemptoris mater', 'Ave regina caelorum (ave, domina angelorum)' und 'Regina caeli laetare'.
Als mögliche Autoren werden in der neueren Forschung Hermann von Reichenau oder Bernhard von Clairvaux genannt. In der mittelalterlichen Überlieferung wird die Antiphon auch Adhemar von Monteil und Petrus von Compostella zugeschrieben.
Die der Forschung lange Zeit als ältester Beleg geltende, in einer Federprobe festgehaltene Tropierung, die ins 11. Jahrhundert datiert wurde, ist einer neueren kritischen paläographischen Untersuchung nach im ausgehenden 12. Jahrhundert entstanden (Heinz, S. 126f.).
In ihrem vollen Wortlaut erscheint die Antiphon erstmals im 1140 neu redigierten Antiphonar des Zisterzienserordens (Heinz, S. 127f.). Das Incipit wurde später zu "Salve regina mater misericordiae" erweitert, ebenso wurde in die Schlussanrufung später das Wort 'virgo' eingefügt: "O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria".
Seit dem 12. Jahrhundert dient das 'Salve regina' als Prozessionsgesang (Maier, S. 17) und tritt seit dem 13. Jahrhundert als Schlussantiphon an das Ende der Komplet, vermutlich zuerst bei den Dominikanern (Maier, S. 2, 16).
Die Antiphon wird zum Gegenstand von Predigten und Traktaten (Maier, S. 22, Wehrli-Johns/Stotz, S. 290). Es entstehen Stiftungen und Salve-Andachten (Wachinger, Sp. 552, Maier, S. 15, 18-21). In die 1474 gegründete Rosenkranzbruderschaft wird sie programmatisch eingebunden (Wehrli-Jones/Stotz, S. 293).
Maria.
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Berschin, Walter: Hermann der Lahme als Sequenzdichter. Mit Diskussion der Antiphonen 'Salve regina' und 'Alma redemptoris mater'. In: Hermann der Lahme: Gelehrter und Dichter (1013-1054). Hg. v. Walter Berschin und Martin Hellmann. Heidelberg 2004. S. 73-109.
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